Mein Jahr 2015

Dezember 30th 2015

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Eigentlich wollte ich überhaupt keinen Jahresrückblick verfassen. Sowas habe ich nie gemacht. Häufig macht man sich ja Gedanken darüber, was man sich für das kommende Jahr wünscht. Wie viel man vermeintlich abnehmen möchte, was man beruflich erreichen möchte, und und und.
Aber gerade sitze ich an meinem Schreibtisch, habe einen Moment Ruhe, schaue aus dem Fenster, höre „Hello“ von Adele und stelle mit Erschrecken fest, dass das Jahr rum ist. Letztes Jahr um diese Zeit habe ich über meiner Examensarbeit gebrütet und fieberte meinem Studiumsende entgegen. Jetzt frage ich mich, wo das Jahr geblieben ist, was mich besonders glücklich oder traurig gemacht hat. Dieser Post ist ziemlich persönlich geworden und an einigen Stellen sehr melancholisch. Ich finde es übrigens erschreckend, wie viel man vergisst und was einem erst wieder einfällt, wenn man sein Instagram-Feed durchscrollt….

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Das größte Ereignis ist sicherlich, dass ich im Mai mein Studium beendet habe. Sechs Jahre lang habe ich gelernt, einige Prüfungen vermasselt und häufig mit mir gehadert, alles hinzuschmeißen und einfach nichts mehr zu machen. Vor bald drei Jahren habe ich die größte Hürde des Studiums nehmen müssen und bin für knapp drei Monate nach Münster gezogen, um dort mein Latinum nachzumachen. Was ich in dieser Zeit erlebt habe, können sich vielleicht manche von euch vorstellen. Von morgens bis abends hat man nichts anderes gemacht als gelernt, Vokabeln gepaukt, stumpf die Grammatik auswendig gelernt, geweint und gezweifelt. Aber: Ich habe so tolle Menschen kennengelernt, mit denen ich noch heute Kontakt habe und die mir so ans Herz gewachsen sind. Außerdem kann ich nun behaupten, das Latinum in dieser Zeit geschafft zu haben. Die Zeit hat mich unglaublich geprägt und genau deshalb bin ich so stolz, dass 2015 das Jahr ist, in dem ich das Studium beendet habe – erfolgreich. Das Studium kann einem keiner mehr nehmen. Den Tag meines Abschlusskolloquiums werde ich nie vergessen ;)

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Kaum die letzte Prüfung hinter mir gehabt, saß ich im Flugzeug nach Wien. In dieser Zeit konnte ich kaum richtig abschalten, so sehr steckte mir der Stress noch in den Knochen. Aber die Vorfreude auf Wien hat alles vergessen lassen. Nach Wien wollte ich schon immer mal, nie hatte es geklappt. Eine wunderschöne Stadt mit tollen Gebäuden und leckerem Essen. Die Uhren ticken dort irgendwie anders und nach fünf Tagen hätte ich am liebsten den Flug storniert. Aber nein, die Realität hat mich zu Hause wieder eingeholt. Wie sollte es mit mir eigentlich beruflich weitergehen? Ich war noch Studentin aber irgendwie von jetzt auf gleich auch arbeitslos. Zu Hause angekommen, habe ich auch diese Gedanken wieder beiseite geschoben. Stattdessen habe ich die Koffer für die Nordsee gepackt. Ich liebe die Nordsee, am liebsten Dänemark aber das war dieses Jahr einfach nicht drin – auch zeitlich nicht. Aber auch die deutsche Küste lohnt sich. Diese drei Tage haben mir endgültig dabei geholfen, wieder Kraft zu tanken und positiv nach vorne zu blicken. Ich werde schon was finden, was mich glücklich macht und mit dem ich zusätzlich noch etwas Geld verdienen kann, waren meine Gedanken in dieser Zeit.

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Zu Hause angekommen habe ich mich an ein Projekt gesetzt, das ich schon so lange im Kopf hatte und endlich wieder umsetzen wollte: Meinen Blog. Hier habe ich euch damals erzählt, wie es dazu kam. Ein neues Layout musste her, WordPress musste installiert werden, eine Domain musste gefunden werden und und und. Ich habe mir ein neues MacBook gegönnt und konnte mit allem richtig durchstarten. Bisher habe ich diesen Schritt nicht bereut und ich hoffe, ihr merkt das auch :) Es macht so viel Spaß und bin total gespannt, was mich 2016 in diesem Bereich noch erwarten wird. Bereits im Juli saß ich im Bus und war auf dem Weg nach Berlin zur Curvy (Fashion Week) 2015. Ich war zum ersten Mal alleine unterwegs in eine größere Stadt, habe viele fremde Menschen getroffen, die sich aber nach wenigen Minuten alles andere als fremd anfühlten. Ich war abends auf einem kleinen Event von Studio Untold, habe auf der Messe Kontakte knüpfen können und habe natürlich viele Bloggermädels kennengelernt. In wenigen Wochen sehe ich einige von euch in Köln wieder, darauf freue ich mich so sehr!

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Kurz bevor ich nach Berlin gereist bin, habe ich viele Bewerbungen geschrieben. Durch kleinere Schreibtätigkeiten hatte ich inzwischen den Plan gefasst, im redaktionellen Bereich tätig zu werden. Mit wenigen Referenzen habe ich es probiert. Habe einige Absagen bekommen, aber auch Zusagen. Eine Zusage kam von einer Lokalzeitung, die mich schließlich zu einem Gespräch eingeladen hat. Nach diesem Gespräch folgte ein weiteres Gespräch in der Lokalredaktion, in der ich nun schon fünf Monate arbeite. Nicht fest, sondern als Praktikantin/Hospitantin – aber das war mir im Juli sowas von egal. Hauptsache ich hatte etwas. Ich bin total ins kalte Wasser geworfen worden, da ich von der Materie Null Ahnung hatte. Nach drei Wochen spielte ich mit dem Gedanken, das Praktikum abzubrechen und doch was anderes zu machen. Kurze Zeit später machte es irgendwie Klick – über Nacht. Seit dem kann ich mir tatsächlich kaum noch etwas anderes vorstellen. Mit den Kollegen komme ich gut zurecht und ich mag sie alle sehr (ich hoffe, sie mich auch ;) ). Jetzt, fünf Monate später, fühle ich mich sicherer – aber gleichzeitig weiß ich, dass ich 2016 nochmal richtig reinhauen muss. Aber die Herausforderung nehme ich an. Aber auch, wenn es nicht klappen sollte, finde ich etwas anderes.

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Im September wachte ich eines Morgens mit den schlimmsten Bauchschmerzen meines Lebens auf. Mir war schlecht, ich konnte nicht gehen und wusste überhaupt nicht, was ich machen sollte. Der Tag wurde immer schlimmer. Mein Körper war auf Null herunter gefahren – bin ich aufgestanden, habe ich mich übergeben. Kurze Zeit später war ich im Krankenhaus und blieb dort für drei Nächte inklusive Mini-OP. Weitere Einzelheiten will ich euch an dieser Stelle ersparen. Kaum aus dem Krankenhaus entlassen, ging es wieder los. Ich quälte mich zwei Tage zu Hause, weil ich partout nicht zurück wollte. Aber es wurde besser und toi, toi, toi, so soll es bleiben.

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Eines Morgens bekam ich einen Anruf: Opa ist heute Nacht gestorben. Obwohl man geahnt hat, dass es bald passieren würde, kam es plötzlich. Viel zu schnell war dieser Moment da. Nicht zu fassen und doch geschehen. Es folgten unglaublich traurige Tage, Wochen.

Aber auf Regen folgt Sonnenschein. Es klingt alles so negativ, aber es ist ja grundsätzlich so, dass die negativen Ereignisse im Kopf verankert bleiben. Erinnerungen an positive Momente verblassen so schnell. Mir würden so viele Augenblicke einfallen, die so schön waren, dass ich am liebsten die Zeit angehalten hätte (eine schlimme Floskel, aber es stimmt einfach)… manche davon wünsche ich mir zurück, um sie nochmal zu erleben. Mit meinen Mädels habe ich stundenlang damit verbracht, gewisse Dinge zu erörtern. Wir haben gelacht, diskutiert, geträumt und Quatsch geredet. Vor allem mit den Mädels, die ich im Studium kennengelernt habe und darüber hinaus zu meinen besten Freunden zählen kann.

Ich bin überaus dankbar für alles, was ich habe. 2016 wird es viele Veränderungen geben, in vielen Bereichen – gewollte und ungewollte. Aber ich freue mich auf alles, was kommen wird :) Kurz vor Neujahr steht bei uns immer Bleigießen auf dem Plan – und ein bisschen glaube ich ja daran… Mal sehen, was sich morgen Abend ergeben wird ;)

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